20 Prozent weniger Verkehrstote möglich
Unfallforscher der deutschen Bundesanstalt für Strassenwesen (BASt) sehen in moderner Fahrzeug-Sicherheitstechnik eine Möglichkeit, um die Zahl der Verkehrsopfer rasch weiter zu senken. Da die Unfallzahlen in Deutschland vergleichbar sind mit denen in der Schweiz, könnte die Studie auch für das Schweizerische Bundesamt für Strassen ASTRA interessant sein.
Elektronische Stabilitäts-Kontrolle - Nichts für die Automobile Unterschicht.
(ESP elektronisches Stabilitäts-Programm ist ein geschütztes Warenzeichen der Robert Bosch AG)
Nach Berechnungen der deutschen Behörde gäbe es binnen eines Jahres rund 20 Prozent weniger Verkehrstote und Schwerverletzte, würden alle im Verkehr befindlichen Autos bei der Sicherheitsbewertung (EURO NCAP) die Bestnote mit fünf Sternen erreichen.
Eine der Voraussetzungen dafür ist die Integration von Fahrerassistenzsystemen. Der durch Verkehrsunfälle verursachte volkswirtschaftliche Schaden könnte alleine schon durch die serienmässige Integration einer Stabilitätssicherung im Fahrzeug um rund 1,5 Milliarden Euro (ca 2,25 Milliarden Franken) vermindert werden. Auf Schweizerische Verhältnisse umgerechnet würde eine Ersparnis von 200 Millionen Franken der Bundeskasse sicher auch gut tun.
Auf einer Veranstaltung des ACE Auto Club Europa am Donnerstag in Stuttgart sagte der für Crash-Tests zuständige Leiter der Abteilung Fahrzeugtechnik bei der BASt, Andre Seeck, nach dem Sicherheitsgurt gehöre die elektronische Stabilitätskontrolle ESC inzwischen zum wichtigsten «Lebensretter im Fahrzeug». Mit ESC liessen sich bei entsprechender Gefahrenlage 40 Prozent der schweren Personenschäden mit Verletzten und Getöteten vermeiden. Nach Seecks Worten zählt das ESC-Fahrerassistenzsystem zwar in der oberen Mittelklasse und in der Luxusklasse zur Standardausstattung. Im Segment der Kleinwagen und der unteren Mittelklasse hingegen gebe es bei den Angeboten europäischer Hersteller deutliche Unterschiede in der ESC-Ausstattung. Für Crash-Test-Experte Seeck ist heute ein neues Fahrzeug grundsätzlich sicherer als jedes seiner Vorgängermodelle. «So gesehen steht die Abwrackprämie und die damit einhergehende Verjüngung der Fahrzeugflotte auch im Dienste der Verkehrssicherheit.»
Der ACE forderte, die deutsche Regierung solle im Rahmen der einschlägigen Zulassungsvorschriften Hersteller verpflichten, alle ihre Neufahrzeuge serienmässig mit ESP auszurüsten. «Das wäre im Interesse der Unfallvermeidung ein Riesengewinn», sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Er sprach sich dafür aus, im Interesse der Konsumenten und der gesellschaftlichen Akzeptanz neue Fahrerassistenzsysteme in ihren Bezeichnungen und ihrer jeweiligen Wirkungsweise zu standardisieren. «Sicherheit im Auto ist für uns keine Frage von Oberklasse, Schick und Komfort, sondern eine Frage von Leben und Tod. Wer das Grundrecht auf Unversehrtheit für alle gelten lassen will, muss sich jedenfalls beim Unfallschutz für die Egalität der Autoinsassen stark machen.»
ESC Das Electronic Stability Control (ESC) ist ein elektronisch gesteuertes Fahrassistenzsystem für Automobile, das durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder dem Ausbrechen des Wagens entgegenwirkt. ESC ist eine Erweiterung des Antiblockiersystems (ABS) und meist mit einer Antriebsschlupfregelung (ASR) sowie dem Bremsassistenten kombiniert. Beispiel einer Fahrsituation Ein Personenwagen fährt eine Rechtskurve. Droht ein Ausbrechen des Hecks nach links durch eine Lastwechselreaktion, durch ein Aufschaukeln des Fahrzeugs nach schneller Lenkwinkeländerung, durch starke Leistungserhöhung bei heckgetriebenen Fahrzeugen (Leistungsübersteuern), durch einen technischen Defekt (zum Beispiel Platzen eines Hinterreifens) oder durch eine Änderung des Reibwerts im Kurvenverlauf, bremst das ESP das Rad vorne links ab. Dadurch wird ein Giermoment nach links erzeugt, das dem Übersteuern des Fahrzeugs entgegenwirkt. Das Rad vorne links und damit die Vorderachse verlieren ausserdem durch die Bremsung an Seitenführungskraft (vgl. Kammscher Kreis), was das Einlenkmoment und damit das Übersteuern des Fahrzeugs zusätzlich abschwächt. |






























































