Vorsicht beim "Billig"-Kauf im Ausland
Im Zuge des tiefen Euro-Kurses werden Forderungen gegenüber der Schweizer Autobranche laut, die Preise zu senken. Oder es wird sogar darauf hingewiesen, Fahrzeuge im benachbarten Ausland zu kaufen. Der Direktimport eines Autos will aber gut überlegt sein. Denn dem tiefen Anschaffungspreis stehen ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand und weitreichende Folgen für die Kunden gegenüber.
Vermehrt kaufen Konsumenten dank dem tiefen Euro-Kurs im benachbarten Ausland ein, um von günstigeren Preisen zu profitieren. Während dies bei Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln kein Problem darstellt, gestaltet sich die Angelegenheit bei Investitionsgütern wie einem Auto wesentlich schwieriger. Da sie nach dem Kauf über viele Jahre genutzt werden, erfordern sie entsprechend Unterhalt und Wartung.
Schweizer Garagisten betreuen Kunden kompetenter
Viele Kunden kaufen ihr neues Auto nicht «ab Stange», sondern stellen es nach ihren Wünschen zusammen. Wer sein Fahrzeug direkt beim Händler auswählt und bestellt, hat deshalb beim Kauf im Ausland einen Mehraufwand an Zeit und Fahrkosten verglichen mit dem Gang zum lokalen Händler. Der einheimische Garagist ist auch der kompetente Ansprechpartner, wenn es um die Betreuung des Kunden und dessen Fahrzeug nach dem Kauf geht. «Beispielsweise werden in der Schweiz die Garantie- und Kulanzarbeiten, die kantonalen Motorfahrzeugkontrollen, die Abgaswartung und die Energieetikette anders gehandhabt als im Ausland. Zum Teil sind sie sogar ganz unbekannt», sagt Urs Wernli, Zentralpräsident AGVS, Autogewerbeverband der Schweiz.
Zudem beteiligen sich Schweizer Garagen oft auch nach Ablauf der Garantiezeit bei ausserordentlichen und nicht auf einen falschen Gebrauch zurückzuführenden Reparaturarbeiten im Rahmen der Kulanz an den Kosten. Die Arbeiten an direkt importierten Fahrzeugen beschränken sich dagegen auf Arbeiten, die durch die Werksgarantie abgedeckt sind. Inländische Garagen investieren auch erhebliche Summen in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden und Lernenden, die Ersatzteilversorgung, die Entsorgung und Bewerbung der Produkte. Sie bauen mit diesen Dienstleistungen das Image einer Marke auf und sind dadurch von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung.
Massiver Wertverlust für Besitzer von Occasionsautos
Schnelle Preissenkungen oder Preisinstabilität bedeuten für die Konsumenten keineswegs nur einen Vorteil. Sie stellen auch ein Problem dar, weil sie unmittelbar Auswirkungen auf den Occasionsmarkt haben und dadurch zu einer Wertvernichtung in Milliardenhöhe führen. Im Vergleich zu 280'000 verkauften Neuwagen pro Jahr wechseln in der Schweiz 700'000 Personenwagen ihren Besitzer. Das heisst, in der Regel wird jeder Neuwagenkäufer nach einiger Zeit zum Gebrauchtwagenverkäufer.
Wer aber sein Auto einst im Ausland günstig gekauft hat, muss anschliessend für den Gebrauchtwagen einen Wertverlust gegenüber in der Schweiz gekauften Fahrzeugen von rund 10 Prozent hinnehmen. «Der Grund dafür ist, dass direkt importierte Fahrzeuge auf geringere Akzeptanz stossen», sagt Urs Wernli. Die Occasionshändler und -käufer sehen sich mit Autos konfrontiert, die nicht für Schweizer Bedürfnisse ausgestattet sind und weitaus geringere Wartungs- und Garantieumfänge aufweisen.
Sinkt aber in der Schweiz das Preisniveau der Neufahrzeuge, müssen auch junge Gebrauchtwagen stark abgewertet werden, damit sie im Vergleich zu den günstiger angebotenen Neuwagen überhaupt verkäuflich sind. Dieser Wertverlust wirkt sich schliesslich auch direkt auf ältere Occasionsfahrzeuge aus. Wer also sein dank verlockenden Rabatten im Ausland neu erworbenes Fahrzeug nach einigen Jahren weiterverkauft, muss den grössten Teil der Einsparungen an den neuen Käufer weitergeben.






























































