China unter Strom
Umweltfreundlich und chinesisch? Das kling paradox, kann aber Wirklichkeit werden. Die Regierung in Peking will, dass das Reich der Mitte die Nummer Eins bei Elektroantrieben wird. Also wird geklotzt: Schon 2011 sollen 500.000 Fahrzeuge mit den alternativen Antriebstechnologien von den Bändern rollen.
Hässliches Entlein aus China? Von wegen. Der BYD E6 bei der Premiere 2008 in Beijing.
Noch halten die Japaner weltweit die Marktführerschaft, wenn es um Autos geht, die durch eine Kombination von Benzin- und Elektromotor angetrieben werden. Toyota hat mit seinem Hybrid Prius das Tempo vorgegeben. Honda behauptet seine Marktanteile mit dem Civic Hybrid und hat nun auch den Insight, einen erschwinglichen «Volks-Hybrid», nachgeschoben. Deutschlands Autobauer - durch politisch verordnete Emissionsbegrenzungen unter Druck geraten - haben inzwischen auch einige Modelle, vor allem solche aus der verbrauchsintensiveren SUV-Klasse, mit Doppelherztechnik an den Start gebracht. Die grossen Drei aus Detroit haben den Hybrid- und Elektrotrend lange Zeit verschlafen und kämpfen nicht zuletzt wegen mangelnder Innovationsschübe in Sachen Emissionsreduktion derzeit ums Überleben. Der GM-Konzern hat zumindest einen innovatioven Hoffnungsträger - seinen Chevrolet Volt, einen reinen Stromer, der im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.
| | Das reine Elektroauto BYD E6 hat nur zwei Motoren, die aus je 45 Teilen zusammengesetzt sind. Ein Motor für die Vorderachse, der Zweite für die Hintere. Hinzu kommen zwei Schaltgetriebe, die aus je 60 Teilen bestehen. Das ganze System besteht also aus 210 Teilen. Ein Benziner (Motor und Getriebe) besteht aus mehr als 1400 Teilen. |
BYD E6: 160 Km/h Spitze, Batterie-Lebensdauer 600'000 Km (Hersteller-Angaben)
Die Chinesen haben gemäss dem China Observer diese weltweiten Entwicklungen genau im Blick und geben sich optimistisch. In naher Zukunft sollen sich die rund 80 Autoproduzenten des Riesenreiches mit alternativ angetriebenen Autos an die Weltspitze setzen. Bis Ende 2011 sei eine Steigerung der Produktion auf 500.000 Hybrid- und Elektrofahrzeuge geplant, berichtet die New York Times unter Berufung auf chinesische Regierungskreise.
Ehrgeiziges Ziel
Das Ziel erscheint umso ehrgeiziger, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr gerade mal 2’100 Fahrzeuge mit entsprechender Technologie von chinesischen Montagebändern rollten. In den USA halten Experten im gleichen Zeitraum immerhin eine Steigerung der Jahresproduktion auf 267’000 alternativ angetriebene Fahrzeuge für machbar. Warum sollte China mit seinem enormen Reservoir an Ingenieuren nicht das Doppelte schaffen?
Hauptsächlich Kurzstrecken
Auf dem chinesischen Markt haben die Autos mit Elektromotoren zudem gewisse Startvorteile. Die Distanzen, die Chinas Autofahrer zurücklegen, sind vergleichsweise kurz, Überlandfahrten stellen eher die Ausnahme dar. Der Grossteil der Fahrer bewegt sich mit dem Auto durch die eigene Stadt, fährt ausserdem mit bescheidenem Tempo, denn Verkehrsstaus gehören auch in China längst zum Autofahreralltag. Hinzu kommt, dass vier Fünftel aller Autokunden in China Erstkäufer sind und sich also noch nicht an Autos gewöhnt haben, die schneller als 100 km/h fahren und mehr als 200 Kilometer Reichweite haben.
Bessere Luftqualität
Das grössere Problem im Binnenmarkt sind die Kosten. Wenn Tianjin-Qingyuan, ein auf Elektro-Fahrzeuge spezialisierter Hersteller, im kommenden Herbst den chinesischen Mittelklasse Wagen Saibo Sedan mit Batterieantrieb auf den Markt bringt, wird er umgerechnet fast 30'000 US-Dollar kosten und damit etwa doppelt soviel wie ein Benziner. Auch wenn die Regierung in Peking den Kauf eines emissionsfreien Autos mit einem Zuschuss von bis zu 8'800 US-Dollar unterstützt, bleibt die Differenz beachtlich.
Die Luftqualität in den chinesischen Metropolen dürfte profitieren, wenn immer mehr Chinesen mit Hybridtechnik oder Elektromotor automobil sind. Dass sich durch den Einsatz elektrisch angetriebener Autos auch Chinas Umweltprobleme reduzieren und die enorm ansteigenden Treibhausgas-Emissionen bremsen lassen, kann dagegen niemand mit Ernst behaupten. Denn Strom, der die Akkus der emissionsfreien Elektroautos speisen muss, wird in China zum allergrössten Teil in Kohlekraftwerken produziert. Und bei der Verbrennung von Kohle werden Russ und Treibhausgase in weit grösseren Mengen freigesetzt als bei jedem anderen Brennstoff.






























































