Chrysler: Skepsis nach Fiat-Einstieg
Die internationale Wirtschaftspresse blickt skeptisch in die Zukunft der gestern besiegelten Allianz von Chrysler und Fiat.
Skepsis im Blätterwald. Die Wirtschaftszeitungen werfen Fragen auf.
Am Ende ging alles sehr schnell: Der italienische Autokonzern Fiat hat seinen Einstieg beim insolventen US-Hersteller Chrysler besiegelt. Die Amerikaner und Italiener unterzeichneten gestern eine Vereinbarung, die Fiat zunächst einen 20-Prozent-Anteil an der früheren Daimler-Tochter sichert. Zuvor hatte das Oberste US-Gericht grünes Licht für Fiats Einstieg beim insolventen US-Hersteller gegeben.
Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune blickt skeptisch in die Zukunft von Chrysler. Das neue Führungsteam des Autobauers - darunter der neue Chairman und «US-Industrialist» C. Robert Kidder, der «italienische Industrialist» Sergio Marchionne als CEO sowie das neunköpfige Board u.a. mit Vertretern der US- und kanadischen Regierungen - sei so bunt gemischt wie die alten Bomber-Besatzungen aus Hollywood-Filmen zum Zweiten Weltkrieg. Dem «offenherzigen» Fiat-Chef, der erklärt habe, die neue Allianz biete «erstklassige Technologie, aufopfernde Mitarbeiter, verbesserte Effizienz und eine unnachgiebige Leidenschaft, grossartige Autos zu bauen», hält Fortune den Ende März von der Obama-Regierung veröffentlichten Chrysler-Report entgegen: Weit davon entfernt, grossartige Technologie zu besitzen, gebe Chrysler nur drei Prozent der Einnahmen für Forschung und Entwicklung aus - Honda und Toyota investierten vier bis fünf Prozent. Die Mitarbeiter seien möglicherweise zwar fleissig, in erster Linie aber zu wenig - was die Fähigkeit, neue Produkte zu entwickeln, einschränke. Schliesslich zeigten die aktuellen Chysler-Modelle laut Obama-Report erhebliche Qualitätsmängel. «Sollte Marchionne seinen eigenen Marshall-Plan entwickeln und diese Firma neu aufbauen, würde er den grössten Automobil-Kehrtwende seit Carlos Ghosns Nissan-Rettung vor einem Jahrzehnt zustande bringen.»
Für das Wall Street Journal ist die neue Fiat-Allianz «ein Sieg der Obama-Regierung bei ihrer historischen Intervention auf dem Automarkt.» Chrysler werde die Expertise zum Bau kleiner Autos benötigen, um die neuen, von der Obama-Regierung aufgelegten Standards zum Benzin-Verbrauch erfüllen zu können. Nur: Kleine Autos seien die «Hot Seller» gewesen, als das Benzin vier Dollar pro Gallone gekostet habe - inzwischen liege der Preis jedoch wieder bei drei Dollar. Ein weiteres Fragezeichen macht das Blatt hinter den Plänen, die Produktion zumindest in einigen Fabriken zum Monatsende wieder anlaufen zu lassen: Anfang Juni hätten zwei wichtige Chrysler-Zulieferer ebenfalls Insolvenz angemeldet; viele weitere seien finanziell angeschlagen.
IlSole24ore aus Italien bejubelt die Aufhebung des New Yorker Gerichtsentscheids durch das Oberste Gericht der USA. Fiat hatte ursprünglich erwartet, nicht mehr als 20 Prozent Anteile am neuen Chrysler zu halten. Aber so wie es jetzt aussehe, können die Anteile von Fiat an Chrylser auf 35 Prozent, wenn nicht sogar 51 Prozent ansteigen.
Da Fiat und Chrysler zusammengerechnet 2008 auf nur gut vier Millionen verkaufte Autos gekommen seien - viel zu wenig für Sergio Marchionnes Ziel -, rechnet das Manager Magazin mit einem «Plan B» des Italieners mit kanadischem Pass: Fiat hoffe insgeheim auf ein Scheitern der Opel-Übernahme durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und russische Partner; darüberhinaus sei Marchionne an anderen Teilen der bisherigen Opel-Mutter General Motors (GM) interessiert, etwa an den Südamerika-Aktivitäten - die GM-Chef Fritz Henderson allerdings nicht verkaufen wolle - oder sogar der chronisch verlustreichen GM-Tochter Saab. «Sollten alle GM-Pläne platzen, gäbe es für Fiat Alternativen in anderen Ecken der Welt wie Indiens Tata Motors. Aber auch in direkter Nachbarschaft gibt es potenzielle Partner wie BMW oder die Gruppe PSA Peugeot Citroen», spielt das Wirtschaftsmagazin mögliche Konstellationen durch.






























































