Wird Chrysler von der Gewerkschaft übernommen?
Die Automobil-Arbeiter-Gewerkschaft UAW (United Automotive Workers) könnte bald die Mehrheit an Chrysler halten. Das sieht ein neuer Rettungsplan vor, den die Arbeitnehmervertreter mit dem angeschlagenen US-Autohersteller geschmiedet haben.
Das «Wall Street Journal» sieht den Kommunismus in den USA aufflackern: «Produktionsmittel in Arbeiterhand» titelt die Zeitung und fasst eine Übereinkunft zwischen der US-Schatzkammer, den Chrysler-Kreditgebern und der Gewerkschaft zusammen, in die ihr Einsicht gewährt wurde.
Nach der Umstrukturierung des Automobilkonzerns könnte die Gewerkschaft 55 Prozent der Firma halten. Der italienische Automobilhersteller Fiat hielte 35 Prozent an Chrysler, die US-Regierung und Kreditgeber von Chrysler würden dem Plan zufolge zehn Prozent an Chrysler besitzen.
Über das Abkommen, mit dem die Insolvenz des Autoherstellers abgewendet werden soll, will die UAW die Chrysler-Beschäftigten am 29. April abstimmen lassen. In der Zusammenfassung heisse es, Chrysler gebe eine Anleihe über 4,587 Milliarden Dollar für den Treuhandfonds, der von der Gewerkschaft verwaltet wird und der Übernahme von Gesundheitskosten für Chrysler-Pensionäre dient.
Chrysler soll zudem 2010 und 2011 in den Fonds 300 Millionen einzahlen. Die jährlichen Zahlungen sollen bis auf 823 Millionen Dollar in den Jahren 2019 bis 2023 steigen. Der Fonds werde einen erheblichen Anteil der Chrysler-Aktien besitzen und einen Repräsentanten für den Verwaltungsrat des Konzerns ernennen, so das «Wall Street Journal». In der Zukunft sei ein Verkauf der Aktien an Dritte möglich.
Chrysler und die UAW sollen sich ausserdem darauf geeinigt haben, den Teuerungsausgleich vorläufig aufzuheben und Überstunden nur begrenzt zu vergüten. Ausserdem werde den Chrysler-Beschäftigten die Feiertage Ostermontag 2010 und 2011 gestrichen.
Fiat hat sich gemäss «Wall Street Journal» mit Chrysler darüber geeinigt, mindestens einen Kleinwagen in einem Chrysler-Werk in den USA herzustellen. Die Italiener erlauben dem US-Hersteller die Verwendung eines Drei-Liter-Dieselmotors und eines 1,4-Liter-Benzinmotors in dessen Fahrzeugen. Chrysler schätze die Investitionen von Fiat auf acht Milliarden Dollar. In den USA dürften dadurch 4000 neue Arbeitsplätze für gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter entstehen.
Daimler trennt sich endgültig von Chrysler
Der ehemalige Chrysler-Mutterkonzern, die Daimler AG, hat sich unterdessen mit ihrer früheren US-Tochter Chrysler auf eine endgültige Trennung geeinigt. Der Vereinbarung zufolge gibt Daimler seine verbliebene Beteiligung in Höhe von 19,9 Prozent an die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management ab und verzichtet auf die Rückzahlung der an Chrysler ausgegebenen Darlehen, die im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben wurden.
Daimler wird bei Inkrafttreten des Vertrages sowie in den folgenden beiden Jahren je 200 Millionen US-Dollar in die Chrysler-Pensionskasse einzahlen. Die bestehende Pensionsgarantie in Höhe von einer Milliarde Dollar werde auf einen Betrag von 200 Millionen Dollar reduziert und laufe bis August 2012 weiter, teilte Daimler mit.
Chrysler und der Finanzinvestor Cerberus, der durch den Daimler-Deal 100 Prozent an Chrysler hält, verzichteten ihrerseits vollständig auf etwaige Forderungen. Die Vereinbarung wird Daimler zufolge das operative Daimler-Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im zweiten Quartal um bis zu 700 Millionen Dollar belasten.
Zum Artikel des Wall Street Journal






























































