Lenker verweigern das E10 Benzin- Einführung gestoppt
Die große Verunsicherung der Autofahrer hat dazu geführt, dass die im Februar begonnene flächendeckende Einführung des sogenannten Bio-Kraftstoffs E10 nicht wie geplant fortgeführt werden kann. Das Gros der Autofahrer ist irritiert, fühlt sich schlecht informiert, ob das eigene Fahrzeug tatsächlich zweifelsfrei mit dem neuen Kraftstoff Super E10 betankt werden kann, und verweigert die Gefolgschaft. Trotz des höheren Preises greifen die Autofahrer zu Super Plus. Die Tankstellen bleiben auf E10 sitzen, die Lager sind gefüllt, und der herkömmliche E5-Sprit (Super/Super Plus) wird knapp.
Für einen Einführungsstopp sprach sich gestern (3. März) der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), Klaus Picard, aus. Ansonsten drohe das System zu platzen. Obwohl nach jüngsten Berechnungen rund 93 Prozent aller Pkws E10-tauglich seien, greift das Gros der Autofahrer nach wie vor zum bisherigen E5-Kraftstoff und nimmt dabei mehr oder weniger billigend in Kauf, für den Liter bis zu acht Cent mehr zahlen zu müssen (Super Plus mit 98 Oktan).
Die Rechnung der Mineralölwirtschaft – und Politik – ging bislang nicht auf, auch wenn sie eindringlich an die Autofahrer appellierte, auf die neue Kraftstoffsorte umzusteigen. Dieser Tage hatte Picard noch betont, dass das neue Super-Benzin E10 mit einer Beimischung von zehn Prozent Ethanol hochwertig sei und beinahe allen Benziner-Motoren nicht schlechter bekomme. „Beinahe“. Sprich: circa drei Millionen Pkws auf deutschen Straßen vertragen diese neue Spritsorte eben nicht. Picard wurde vom Markt eingeholt. Inzwischen ist sogar der gänzliche Verzicht auf E10 für die Mineralölbranche eine Option.
Trotz lockender Rufe und animierend „günstigerer“ E10-Liter-Preise lassen sich Autofahrer nicht auf den Bio-Sprit ein. Das sich anbahnende Sprit-Chaos verärgert auch die Politik. Einen Weg aus der Misere will Wirtschaftsminister Rainer Brüderle finden und alle Beteiligten Anfang nächster Woche zu einem „Benzin-Gipfel“ laden.
Dass die Einführung von E10 abgeblasen wird, ist nicht zu erwarten. Schließlich verpflichtet eine EU-Verordnung zur höheren Beimischung mit Bioethanol. Tankstellen müssen also einen gewissen Teil des Benzins als Bio-Kraftstoff anbieten.
Würde die Mineralölindustrie ihre aktuelle Drohung aufgrund der jüngsten Entwicklung wahrmachen und auf E10 verzichten, stehen Strafzahlungen ins Haus. Pro verkauften Liter mit lediglich fünfprozentigem Bioethanolanteil (E5) wären zwei Cent fällig. Die würden aller Wahrscheinlichkeit auf den Spritpreis umgelegt und vom Autofahrer zu zahlen sein. Doch der ist inzwischen (Preis-)kampferprobt. Die zwei Cent wären ihm die Sicherheit, verträglichen Sprit in den Tank seines Autos zu füllen, wahrscheinlich wert.






























































