Deutsche bereit für E-Autos, VW wäre am beliebtesten
Wie bereit ist die Autokundschaft in Deutschland für den E-Automobilmarkt? Dieser Frage ging der TÜV Rheinland im September in einer repräsentativen Meinungsumfrage unter 1.000 Teilnehmern nach. Danach würden mehr als die Hälfte von ihnen ein Elektroauto kaufen, jeder vierte wünscht sich ein E-Auto von VW. Männer stehen dem Thema E-Mobilität aufgeschlossener gegenüber, und Oberklasse-Fahrer würden sich ein E-Auto als Zweitfahrzeug anschaffen. Die Marke Toyota genießt einen Imagevorteil. Gewissermaßen als Auftrag an die Branche ist der Wunsch nach größerer Reichweite und kürzeren Ladezeiten zu verstehen.
Die Einführung von E-Autos findet hierzulande breite Akzeptanz: Für 54 Prozent der Befragten kommt der Kauf eines Elektroautos in den nächsten fünf Jahren infrage. Befragt nach der Markenpräferenz nennen knapp 25 Prozent Volkswagen, gefolgt von Toyota (15 %), BMW, Mercedes und Opel (je 8,1 %). „Die Entwicklung von Elektromobilität wird von den Deutschen positiv gesehen. Aber viele warten noch auf den Elektro-Golf“, fasst Dr. Thomas Aubel, Executive Vice President Mobility von TÜV Rheinland, die Ergebnisse zusammen.
Als positive Aspekte von Elektroautos bewerten über 36 Prozent der Umfrageteilnehmer den Umweltschutz, 26 Prozent die Unabhängigkeit von der Ressource Öl sowie 22 Prozent geringe Betriebskosten. Gründe für Einschränkungen in ihrer unabhängigen Mobilität sehen 36 Prozent in der langen Batterie-Ladedauer, 29 Prozent im begrenzten Aktionsradius und 17 Prozent in der limitierten Höchstgeschwindigkeit von maximal 120 km/h.
Neben technischen Fragen und Komfortaspekten spielt auch der Kostenfaktor eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Akzeptanz von Elektroautos. So glauben vier von fünf Befragten nicht daran, dass die Menschen in Deutschland bereit sind, aus Umweltgründen einen höheren Preis für ein E-Auto zu zahlen. Entsprechend halten drei Viertel der Befragten eine finanzielle Förderung zur Markteinführung für sinnvoll.
Welcher Hersteller sollte es sein?
Erstmals wurde auch danach gefragt, welche Autohersteller mit Elektromobilität in Verbindung gebracht werden. Hierbei wird Toyota mit 17,9 Prozent der Nennungen an erster Stelle angeführt, gefolgt von Volkswagen (10,1 %) und Mercedes (9,9 %), BMW (8,2 %) und Opel (7,1 %). Aubel begründet Toyotas Imagevorsprung mit der über zehnjährigen Erfahrung der Marke mit Hybridfahrzeugen. Auch bei der Frage nach der konkreten Kaufabsicht liegt die japanische Marke mit 15 Prozent noch auf Rang zwei hinter VW. Vergleichsweise gering ist die Wahrnehmung von Herstellern, die kurz vor der serienmäßigen Einführung von Elektroautos in Europa stehen. Beispielsweise finden sich weder Nissan noch Mitsubishi unter den Top 10 der genannten Marken. Hier bestehe großer Kommunikationsbedarf für die Hersteller, so das Resümee.
Gleiches gilt für das Thema Elektromobilität insgesamt, denn derzeit fühlen sich nur knapp 21 Prozent der Befragten über den aktuellen Stand bei Elektroautos gut oder sehr gut informiert, knapp 48 Prozent dagegen mittelmäßig und über 31 Prozent schlecht oder sehr schlecht.
Welche Fahrer haben die größter Kaufbereitschaft?
Die Fachleute von TÜV Rheinland haben bei Fahrern, die sich den Kauf eines Elektroautos in den kommenden Jahren vorstellen können, auch gefragt, ob sie eine Nutzung als Erst- oder Zweitwagen in Erwägung ziehen. Bei den Fahrern von Minis oder Kleinwagen können sich jeweils über 20 Prozent eine Nutzung als Erstwagen vorstellen, weitere 22,5 Prozent (Mini-Wagen-Fahrer) beziehungsweise 16,7 Prozent (Kleinwagenfahrer) als Erst- oder Zweitwagen. Am größten ist die Kaufbereitschaft eines Elektroautos bei Fahrern der oberen Mittel- und Oberklasse (62,4 %); das Fahrzeug würde fast ausschließlich als Zweitwagen eingesetzt werden. Eine plausible Einstellung, meinen die Experten, da für diese Gruppe der Anschaffungspreis vielfach eine untergeordnete Rolle spiele.
Welche Altersgruppen sind kaufbereiter?
Die Kaufbereitschaft von Elektroautos ist je nach Altersklasse unterschiedlich. Generell stehen jüngere Menschen dem Thema aufgeschlossener gegenüber als ältere. 62 Prozent der 18 bis 31 Jahre alten Studienteilnehmer beantwortete die Frage nach der Kaufbereitschaft positiv, bei den über 50-Jährigen lediglich 50 Prozent, bei den über 60-Jährigen 48 Prozent. Auch Mann und Frau treten einem Kauf nicht mit gleicher Begeisterung entgegen: Für 57,5 Prozent der Männer käme der Kauf eines Elektroautos infrage, bei Frauen sind es lediglich 48,8 Prozent.
Was stört am E-Auto am meisten?
Genauer nachgefragt haben die Forscher nach den Einschränkungen bei Elektroautos. Die angenommene Reichweite von maximal 150 Kilometern halten zwar fast 30 Prozent der Befragten für negativ, legen in der täglichen Praxis meist aber nur eine viel geringere Fahrstrecke zurück. Über 61 Prozent der Befragten fahren täglich mit ihrem Auto höchstens 50 Kilometer, knapp 30 Prozent zwischen 50 und 100 Kilometern, nur knapp neun Prozent noch längere Strecken. Aubel hält die geringere Reichweite vor allem ein subjektives Problem: „Wer ein Auto besitzt, will jederzeit losfahren können, so weit er will. Das verstehen wir unter individueller Mobilität, auch wenn wir die Möglichkeit in der Regel gar nicht nutzen.“ Hier sei ein Umdenken bei Autofahrern und Herstellern geboten. Eine Möglichkeit wären begleitende Mobilitätspakete, bei denen Käufer von E-Autos bei längeren Reisen problemlos auf konventionelle Fahrzeuge umsteigen können. Praktikabel wären auch Konzepte mit Batteriewechselstationen.






























































