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ESP: seit 15 Jahren mehr Sicherheit auf den Strassen

17.08.2010

1995 war bei Bosch Serienstart des elektronischen Stabilitätsprogramms ESP, im September des Jahres kam das erste Fahrzeug damit auf den Markt. Mittlerweile sind 50 Millionen dieser Systeme gebaut worden. Im vergangenen Jahr waren 60 Prozent aller in Europa verkauften Neufahrzeuge mit dem Anti-Schleuderprogramm ausgerüstet, weltweit war es gut jedes dritte Fahrzeug (36 %), in Deutschland waren 80 Prozent aller Fahrzeuge damit bestückt. Gesetzliche Regelungen machen ESP in Europa, Kanada, Australien und in den USA demnächst zur Pflicht.

ESP, das die Funktionen des ABS und der Antischlupfregelung ASR integriert, gilt nach dem Sicherheitsgurt noch vor dem Airbag als das wichtigste Sicherheitssystem im Fahrzeug. Unabhängigen Untersuchungen zufolge kann es nahezu jeden zweiten schweren oder tödlich verlaufenden Alleinunfall verhindern. Es erkennt beginnende Schleuderbewegungen und greift bei Bedarf ein, indem es die Motorleistung mindert und Räder einzeln abbremst. Ab November 2014 macht eine EU-Verordnung den Schleuderschutz in allen neu zugelassenen Fahrzeugen in Europa zur Pflicht. Bei Bosch geht man davon aus, dass sich das System bis 2012 so durchsetzt, dass es weltweit jeder zweite Neuwagen an Bord hat.

 


Und das Potenzial des ESP ist noch nicht ausgereizt, das System wird zentraler Bestandteil künftiger Sicherheitsfunktionen sein. In Verbindung mit Umfeldsensoren kann es beispielsweise kritische Situationen frühzeitig erkennen. Im neuen Audi A8 ist beispielsweise das vorausschauende Notbremssystem des Stuttgarter Zulieferers als Option in Serie gegangen. Wird ein drohender Auffahrunfall vom System erkannt, warnt es den Fahrer und unterstützt ihn beim Bremsen. Ist ein Unfall nicht mehr zu vermeiden, wird kurz vor dem Aufprall automatisch eine Vollbremsung ausgelöst, um die Unfallschwere zu reduzieren.

Eine Vielzahl von Untersuchungen und Studien belegt die positive Wirkung des Systems. Daimler beispielsweise hat 2004 nachgewiesen, dass seit dem serienmäßigen Einsatz von ESP in allen Mercedes-Pkws deren Anteil an der Gesamtzahl der Fahrunfälle in Deutschland um rund 42 Prozent gesunken ist. Als Fahrunfälle bezeichnet man sogenannte Alleinunfälle, bei denen Autofahrer ohne Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Volkswagen bezifferte im gleichen Jahr die Verhinderungsquote aller Schleuderunfälle mit rund 80 Prozent.

Eine Studie der Universität Köln aus dem Jahr 2007 zeigte auf, dass der flächendeckende Einsatz von ESP allein in Europa jährlich die Zahl der Verkehrstoten um rund 4.000 und die Zahl der Verletzten um 100.000 reduzieren würde. Die oberste Verkehrssicherheitsbehörde der USA (National Highway Traffic Safety Administration/NHTSA) hat 2006 errechnet, dass sich 34 Prozent aller Alleinunfälle und 71 Prozent aller Fahrzeugüberschläge von Pkws in den USA durch den serienmäßigen Einsatz von ESP verhindern ließen. Dieses Ergebnis führte zu der weltweit ersten gesetzlichen Verpflichtung von ESP bei Neuwagen, nach der ab September 2011 alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 4,5 Tonnen mit dem System ausgerüstet sein müssen. Damit vergleich bar sind die in Australien und Europa ab November 2013 bzw. 2014 geltenden Regelungen. Die in Korea zuständige Behörde hat erst im Juli gleichlautende Pläne für eine ESP-Pflicht veröffentlicht.

ESP hat sich auch in den Neuwagen-Bewertungsprogrammen NCAP (New Car Assessment Program) in Europa, den USA und in Australien durchgesetzt. Hier sind aktive Sicherheitssysteme mittlerweile Bewertungskriterien. Die höchste Bewertung mit fünf Sternen ist seit Anfang 2010 nur noch dann möglich, wenn das Fahrzeug serienmäßig über die Schleuderbremse verfügt.

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