«Die Offroader-Initiative ist eine absurde Idee»
Am 1. Januar 2009 hat Bernhard J. Soltermann die Leitung der Ford Motor Company (Switzerland) SA übernommen. Der 44-jährige Berner, der schon seit Juni 2007 an der Spitze von Ford Austria steht, nimmt nach 120 Tagen in der Schweiz zu aktuellen Fragen Stellung. Und scheut sich dabei nicht, auch heisse Eisen anzufassen.
Bernhard J. Soltermann, Leiter Ford Motor Company (Switzerland) SA
Seit dem 1. Januar 2009, also genau seit 120 Tagen, stehen Sie als Generaldirektor und CEO den zwei nationalen Automobilimporteuren Ford Schweiz und Ford Austria vor. Was unterscheidet die beiden Märkte?
Bernhard Soltermann: Unterschiede gibt es vor allem in der Besteuerung, welche das Kaufverhalten des entsprechenden Konsumenten prägt: Während in der Schweiz primär Benzinmotoren gekauft werden, sind es in Österreich vor allem Diesel. Ein weiterer, grosser Unterschied ist die Händlernetzstruktur: In der Schweiz ist das Neuwagen-Volumen relativ ausgeglichen verteilt auf Haupthändler zwischen 150 und 1500 Verkäufen pro Jahr, in Österreich ist die Bandbreite deutlich grösser. Der grösste Händler verkauft allein fast 5000 Neuwagen, rund 10'000 Verkäufe und damit 40 Prozent konzentrieren sich auf nur drei Händlergruppen. Ein dritter Punkt ist das gegenüber der Schweiz deutlich ausgeprägtere Flottengeschäft in Österreich. Aufgrund der hohen Steuerlast versucht jeder, sein Auto als Dienstwagen zu deklarieren, was den Fleet-Mix entsprechend in die Höhe treibt.
Von November 1993 bis Mai 2005 waren Sie in verschiedenen leitenden Chargen für Ford Schweiz tätig, unter anderem als Verkaufsdirektor und zuletzt als Direktor Marketing. Dann wechselten Sie als Leiter European Sales Operations zu Ford nach Köln. Was hat sich in diesen 16 Jahren bei Ford am stärksten verändert?
Bernhard Soltermann: Die Produkte! Ford hatte zwar immer einzelne «Hotseller» im Programm, zum Beispiel Mondeo 1994, Focus 1999 oder Fiesta 2004, aber nie war die Palette so umfangreich und gleichzeitig so ausgeglichen wie heute. Vom Kleinwagen Ka bis zum Supersportler Focus RS mit 305 PS decken wir mit rund 15 verschiedenen Produktelinien sowie mit einem breit gefächerten Nutzfahrzeugangebot fast alle Kundenwünsche ab. Zudem verfügen wir im Moment über die jüngste Modellpalette aller Volumenhersteller Europas.
In Österreich ist es Ihnen innert zweieinhalb Jahren gelungen, den Markanteil um 6,3 auf 8 Prozent zu steigern und zweitstärkster Importeur zu werden. Wie stellten Sie das an? Welche Massnahmen treffen Sie, um Gleiches auch in der Schweiz zu erreichen?
Bernhard Soltermann: Es gibt verschiedene Gründe für den Erfolg in Österreich. Im Herbst 2006 habe ich einen radikalen Wechsel in der Marketingstrategie eingeleitet, welcher von den Händlern nicht nur sehr wohlwollend und mit aktivem Beitrag aufgenommen sondern an der Front auch konsequent umgesetzt wurde. Dazu kam der Umstand, dass ich im Rahmen des Umzugs von Salzburg nach Wien rund 80 Prozent der Stellen neu besetzen musste. So konnte ich ein kleines, aber sehr schlagkräftiges neues Team zusammenstellen, das exzellent mit den Händlern zusammenarbeitet und auf hochgradig effiziente Prozesse setzt. Als dritter Faktor müssen die neuen Produkte erwähnt werden, von welchen alle Märkte in Europa massiv profitiert haben, so auch Österreich und natürlich ebenso die Schweiz. In meiner Heimat werde ich sicher auf die gleichen Erfolgsfaktoren setzen: Ich verfüge bereits über ein tolles Team in Wallisellen, das ich rein organisatorisch einigen Änderungen unterzogen habe, um mehr Effizienz zu erzeugen. Im Verkauf und Marketing sowie vor allem auch bei den Geschäftsprozessen werden wir neue Akzente setzen.
Und wie sind Sie mit den schweizerischen Ford-Händlern zufrieden? Ziehen alle am gleichen Strick?
Bernhard Soltermann: Ich habe bereits von 1993 bis 2005 sehr eng mit den Schweizer Händlern zusammengearbeitet, kenne und schätze das Händlernetz sehr. Ich weiss, dass ich mich wie in der Vergangenheit auf meine Händler verlassen kann. Wir arbeiten konstruktiv zusammen. Letztlich wollen wir doch genau das Gleiche: Erfolg haben und Geld verdienen.
Sie kamen in schwierigen Zeiten zurück in unser Land. Wie stark beeinflusst das wirtschaftlich heikle Umfeld das Geschäft?
Bernhard Soltermann: Der Rückgang ist spürbar und darf nicht negiert werden, auch wenn der März ein leichtes Plus aufweist. Diese Zahlen waren aber deutlich geschönt, der Markttrend zeigt in Prozenten ganz klar ein zweistelliges Minus an. Auch in schwierigen Zeiten kann man intelligent arbeiten und wir nützen gegenwärtig die Synergien der beiden mir unterstellten Märkte, um das Maximum aus den vorhandenen Ressourcen für beide herauszuholen.
Sind Sie mit den Verkäufen im ersten Quartal 2009 zufrieden? Oder welche Faktoren verhinderten ein noch besseres Resultat?
Bernhard Soltermann: Wir haben im Q1 den Marktanteil bei den Personenwagen und Nutzfahrzeugen von 5,2 auf 5,7 Prozent gesteigert. Das ist ein beachtliches Resultat. Besser hätten wir nur noch abgeschnitten, wenn der Markt im März nicht künstlich hochgetrieben worden wäre, aber das gehört zu einem Geschäft, in dem bei vielen Mitbewerbern Überkapazitäten vorhanden sind. Die Kernfrage ist immer, wie weit man diesen künstlichen Teil des Marktes mitgeht oder sich lieber auf die genauso wichtigen Aufgaben konzentriert, zum Beispiel das Cash Management. Diese Balance ist mir persönlich sehr wichtig. In diesem Zusammenhang ist es von zentraler Bedeutung, das Portfolio an Kundenverträgen gemeinsam mit den Händlern zu steuern, denn das ist das effektive Kapital für die nahe Zukunft, und nicht kurzfristige Marktanteilsgewinne um jeden Preis.
Ihre Marktprognose für das erste Halbjahr 2009? Und wie sieht es Ende des Jahres mit der Konjunktur aus? Wie schneidet Ford dabei ab?
Bernhard Soltermann: Ich gebe, wie schon früher im Jahr, keine Prognose ab, weil zurzeit einfach andere Kräfte und damit andere Marktgesetze wirken. Alles ist unberechenbar geworden, deshalb ist es noch wichtiger, eine klare Strategie zu haben und sich nicht beirren zu lassen. Eines kann man jedoch sagen: Aufgrund der soeben frisch eingeführten und von den Kunden sehr gut aufgenommenen Kleinwagen Ka und Fiesta sowie des bekannt attraktiven Preis-/Leistungs-verhältnisses von Ford haben wir gute Karten, auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu punkten.
Alles spricht von Abwrackprämien, welche die Automobilwirtschaft ankurbeln sollen. Dazu gibt es auch kritische Stimmen. Wie stehen Sie zur Verschrottung alter Autos?
Bernhard Soltermann: Sofern wirklich die richtigen Autos nachweislich verschrottet werden, ist eine Abwrackprämie eine sehr sinnvolle Sache. Alte Autos stossen ein Vielfaches an Schadstoffen aus und genügen auch nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen. Also: Her mit der Abwrackprämie, aber bitte verbunden mit klaren und zielgerichteten Spielregeln.
Die Ausmerzung von rund 1,3 Millionen Fahrzeugen, die zehn Jahre und älter sind, würde doch auch zu einer massiven Luftverbesserung führen.
Bernhard Soltermann: Richtig. Der Unterschied ist enorm, die Industrie hat hier in den letzten Jahren unglaubliche Fortschritte erzielt, die insbesondere von der Politik viel zu wenig gewürdigt und genutzt werden. Nur ein Beispiel: Selbst ein Spitzensportler wie der neue Focus RS mit 305 PS stösst heute weniger Schadstoffe aus als ein zehnjähriger Mittelklassewagen!
Welchen Beitrag leistet Ford zur Verringerung der CO2-Emissionen?
Bernhard Soltermann: Ford gehört zu den vier führenden Herstellern in Sachen umweltfreundliche Motoren. Mit den ECOnetic-Modellen leisten wir einen zusätzlichen Sofort-Beitrag, indem bei diesen nochmals stark schadstoff- und verbrauchsreduzierten Varianten ein Maximum an Umweltverträglichkeit zu einem minimalen Aufpreis geboten wird.
Übrigens – was halten Sie von der Initiative zur Abschaffung der Offroader?
Bernhard Soltermann: Nichts! Das ist wieder einmal eine absurde Idee von Leuten, die leider nur über mangelnden Sachverstand verfügen. Man muss nicht bei der Fahrzeugkategorie den Hebel ansetzen, sondern bei anderen Aspekten, um eine nachhaltige Verbesserung herbeizuführen. Auch ein SUV kann durchaus umweltverträglich sein, das kommt auf das Gesamtpaket an. Nehmen wir unseren Ford Kuga als Beispiel: Er ist das leichteste und sportlichste Sport Utility Vehicle im Konkurrenzumfeld, stösst nur 169 Gramm CO2 pro Kilometer aus und verbraucht im Mix lediglich 6,4 Liter auf 100 Kilometer. Das schafft derzeit kein anderes Fahrzeug dieser Kategorie. SUV ist also nicht gleich SUV, man muss klar unterscheiden.
Wie sehen Sie die Zukunft des Autos? Mit was fahren wir im Jahre 2030 herum?
Bernhard Soltermann: Wenn ich dies heute wüsste, wäre ich morgen ein gemachter Mann! Meine Einschätzung ist aber, dass kurzfristig – also in drei bis vier Jahren – die klassischen Antriebskonzepte in stark optimierter Form das Rennen machen werden. Mittelfristig, das heisst in fünf bis sieben Jahren, wird eine neue Generation von Hybrid-Fahrzeugen gekauft, die jedoch mit den heute angebotenen Hybriden nicht mehr viel gemeinsam haben werden. Denn sie werden in allen relevanten Kriterien – Batterie, Systemleistung, Antriebsverluste, Gewicht, Preis – Quantensprünge aufweisen.
Auch wenn es Ford of Europe einigermassen gut geht, stehen Sie sicher auf der Sparbremse. Wo spart Ford Schweiz? Auch am Personal? Oder bei der Werbung?
Bernhard Soltermann: Natürlich mussten auch wir uns den neuen Marktgegebenheiten anpassen, zum Beispiel bei den Werbeausgaben. Am Personal mussten wir nur bedingt sparen, indem wir auf gewisse zugekaufte Leistungen verzichten. Das Stammpersonal ist jedoch zur Zeit nicht betroffen.
Aber bei der Werbung wäre zurzeit doch eher antizyklisches Verhalten, sprich Investitionen, angesagt?
Bernhard Soltermann: Das ist richtig, aber die Werbeausgaben sind nun mal ein Prozentsatz der Umsätze, und diese liegen unter Vorjahr.
Im Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit setzt Ford Schweiz auf Botschafter, auf bekannte Persönlichkeiten wie Pirmin Zurbriggen, Mark Streit, Stéphane Lambiel und viele andere mehr. Was bringt Ihnen diese Prominenz?
Bernhard Soltermann: Ganz abgesehen davon, dass es einfach Spass macht, mit Partnern aus anderen Branchen zusammenzuarbeiten, bringt uns diese Strategie einen verlängerten Arm in den Markt hinein. Wir verfügen über eine breite Produktepalette, die man nicht auf breiter Front kommunizieren kann, also öffnen uns unsere geschätzten Botschafter den Weg zu wichtigen Segmenten, so dass wir viel näher an die Zielgruppen herankommen. Zudem prägen die Markenbotschafter ein neues, modernes Bild von Ford in der Öffentlichkeit.
Welches Ford-Modell fahren Sie persönlich? Und welches Fahrzeug aus dem Konzern ist Ihr Traumauto?
Bernhard Soltermann: Ich fahre momentan den brandneuen Focus RS, ein sehr kompetent gemachtes Auto, welches unglaublich viel Fahrspass bietet. Mein Traumauto ist und bleibt der Ford GT, eine unbestrittene Ikone im Sportwagensegment, wunderschön gezeichnet und der sprichwörtliche «Hammer» zum Fahren.
Abschlussfrage. Ford sponsert seit Jahren die UEFA Champions League. Wer gewinnt am 27. Mai in Rom das Finale?
Bernhard Soltermann: Gewünscht hätte ich mir eigentlich den FC Barcelona mit Messi, Henry & Co., aber ich vermute, dass Manchester United mit Coach Sir Alex Ferguson den Titel erfolgreich verteidigen wird.
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