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Der Gurt wird Fünfzig

13.08.2009

Seine königliche Hoheit, Prince Michael of Kent, hat Volvo Automobil den «Special International Road Safety Award» zum 50-Jahre-Jubiläum des Dreipunkte Sicherheitsgurts überreicht und die Firma für ihre Vision gewürdigt, sichere Autos zu bauen.

Volvo: 50 Jahre DreipunktgurtRevolutionär: Ein Gurt, der das Becken und den Oberkörper schützt.

Am 13. August 1959, einem Donnerstag, wurde bei einem Volvo Händler im schwedischen Kristianstad das weltweit erste Automobil mit serienmässigem Dreipunkt-Sicherheitsgurt ausgeliefert - ein Volvo PV 544, auch Buckel Volvo genannt. In den darauf folgenden 50 Jahren hat der V-förmige Dreipunkt-Gurt mehr als einer Million Menschen das Leben gerettet. Heranziehen, einklicken, straffen: Eine simple Folge von Handbewegungen und der Gurt ist angelegt. Und gleichzeitig sinkt damit das Risiko eines tödlichen Unfalls oder einer schweren Verletzung bei einem Zusammenstoss um mehr als 50 Prozent.

Bis heute ist der Dreipunkt-Sicherheitsgurt die wichtigste Sicherheitseinrichtung im Fahrzeug. Er ist die am häufigsten genutzte und wichtigste Sicherheitsinnovation in der mehr als 120-jährigen Geschichte des Automobils. Es ist der Gurt, der Mensch und Fahrzeug verbindet und die Insassen im Fall eines Aufpralls wirkungsvoll zurückhält. Gleichzeitig sorgt der Gurt dafür, dass die Passagiere nicht durch den Innenraum oder aus dem Fahrzeug heraus geschleudert werden.

Das Know-how von Nils Bohlin

Die simplen Dinge sind oft die besten, heisst es. So entstand Ende der 1950-er Jahre der Dreipunkt-Sicherheitsgurt, dessen grundlegendes Design dank Volvo Ingenieur Nils Bohlin bis heute Bestand hat. Schon zuvor gab es verschiedene Gurtmodelle, und bereits in den 1930-er Jahren verlangten amerikanische Ärzte, dass Automobile mit einem Gurt ausgerüstet werden sollten. Das zu jener Zeit am meisten verbreitete Modell war der Zweipunkt-Gurt, doch gab es bereits verschiedene Dreipunkt-Varianten. Das Problem war, dass diese die Insassen nicht gut genug schützten, und das galt insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten.

Der ehemalige Luftfahrtingenieur Nils Bohlin hatte, bevor er zu Volvo kam, unter anderem an der Entwicklung von Schleudersitzen gearbeitet. Und er wusste um die Kräfte, die bei jeglicher Art von Kollision auftreten können. Der Gurt musste die Kräfte an der richtigen Stelle absorbieren, und zwar am Becken und an der Brust, also dort, wo der Körper am stärksten ist. Gleichzeitig musste er einfach zu handhaben und zu verstellen sein.

Die wichtigste Idee des Designs von Nils Bohlin war, dass sein System sowohl einen Beckengurt als auch einen diagonalen Körpergurt beinhaltete. Hinzu kam, dass die Gurte an niedrigen Verankerungspunkten neben dem Sitz befestigt waren, der untere Punkt der V-förmigen Geometrie auf den Boden wies, der Gurt seine Position beibehielt und sich auch unter Belastung nicht bewegte. Prinzipien, die bis heute unverändert gelten.

Volvo Dreipunktgurt-Erfinder Nils BohlinVolvo Dreipunktgurt-Erfinder Nils Bohlin 1999, drei Jahre vor seinem Tod.

Auf dem skandinavischen Markt waren der Volvo PV544 und der Volvo Amazon (P120) die ersten Fahrzeuge, die mit dieser weltweit einzigartigen Innovation ausgestattet wurden. Volvo war gleichzeitig der erste Hersteller, der seine Fahrzeuge serienmässig mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten ausrüstete. Die Entwicklung erhielt ein so genanntes «offenes Patent», so dass jeder Interessent das Design nutzen konnte.

Zweifellos war der Dreipunkt-Gurt ein gewaltiger Schritt hin zu mehr automobiler Sicherheit, doch er erlebte nicht den sofortigen Durchbruch. Es dauerte einige Jahre, bevor die Mehrzahl der Kunden und die übrigen Automobilhersteller die Effektivität des Gurtes als Lebensretter erkannten.

Volvo Untersuchung überzeugt die Welt

1963 führte Volvo den Dreipunkt-Gurt in den USA und auf anderen Märkten ein. Zuvor hatte der schwedische Hersteller Schlitten- und Crash-Tests mit anderen Gurttypen durchgeführt. Die Ergebnisse waren eindeutig: Der Dreipunkt-Gurt von Volvo bot den Fahrzeug-Insassen den weitaus besten Schutz.

Einige Jahre später, im Jahr 1967, präsentierte Volvo den legendären «28’000 Unfälle-Report» auf einer Sicherheitskonferenz in den USA. Die Untersuchung basierte auf den Daten aller Unfälle eines Jahres in Schweden, an denen ein Volvo beteiligt war. Auch hier war das Ergebnis eindeutig und die Welt nahm schliesslich Notiz von dem beeindruckenden Ergebnis. Denn die Untersuchung zeigte, dass der Sicherheitsgurt Leben rettete und die Zahl der Verletzungen um 50 bis 60 Prozent reduzierte.

Über eine Million Leben gerettet

Heute sind Automobile in aller Welt mit dem Dreipunkt-Gurt ausgestattet. Volvo führte dieses Gurtsystem als erster Hersteller weltweit serienmässig auf den Frontsitzen ein und kombinierte es ab 1967 mit serienmässigen Fondgurten. Der moderne Sicherheitsgurt ist die Basis im Fahrzeug-innenraum und interagiert mit anderen Sicherheitseinrichtungen wie Airbags, Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern. Im Fall eines Aufpralls positioniert sich der Gurt automatisch richtig, die Gurtstraffer spannen ihn über den Oberkörper, und er entfaltet seine Wirkung genau im richtigen Moment, so dass der Körper so sanft wie möglich zurückgehalten werden kann. All das geschieht innerhalb ein paar Tausendstel Sekunden.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Leben der Gurt tatsächlich gerettet hat, denn es gibt dazu keine weltweiten Statistiken. Dennoch schätzen Experten übereinstimmend, dass ihm mehr als eine Million Menschen ihr Leben verdanken und noch viel mehr vor schweren Verletzungen bewahrt wurden.

Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Der Gebrauch des Sicherheitsgurts ist nach wie vor der wichtigste Faktor wenn es um die Insassensicherheit geht. Denn die Nutzung des Gurtes variiert in verschiedenen Teilen der Erde und Ländern sehr.

Seit 50 Jahren rettet der Sicherheitsgurt Menschenleben, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, und jedes Prozent mehr Nutzung unter den Verkehrsteilnehmern macht einen grossen Unterschied. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in den USA eine Steigerung der Anschnallquote von einem Prozent pro Jahr 270 Leben rettet. Statistiken für Europa zeigen, dass weitere 7’000 Leben gerettet werden könnten, wenn jedes EU-Mitgliedsland die gleiche Anschnallquote hätte wie das diesbezüglich beste Land.

Noch grösser ist das Potenzial in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas, wo die Zahl der Fahrzeuge rapide zunimmt, aber die Anschnallquote des Gurts niedrig ist.

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