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Was hat das Emirat Katar mit den VW Anteilen vor?

10.11.2009

Katar versilbert VW-Vorzugsaktien

Das Emirat ist der neue starke Anteilseigner bei Volkswagen. Nun macht der Golfstaat erstmals richtig Kasse - und stößt für 1,6 Mrd. Euro fast die Hälfte seiner Vorzugsaktien ab. Anleger und Experten sind überrascht: Die Titel fallen um über 13 Prozent.

 

Das Golf-Emirat Katar macht mit seinen VW-Anteilen im großen Stil Kasse. Der Investor nutzt den Kursanstieg der Vorzugsaktien von Volkswagen  in den vergangenen Monaten und verkauft bis zu 25 Millionen der Titel. Das teilte die Qatar Holding am Dienstag mit. Bis zu 1,6 Mrd. Euro sollen die Papiere bringen, die die beiden Investmentbanken Credit Suisse  und Goldman Sachs  im beschleunigten Verfahren bei Investoren platzieren. Das Angebot umfasst 23,8 Prozent aller VW-Vorzüge. Bankern zufolge hält Katar bisher rund 50 Millionen der stimmrechtslosen Aktien. Das Emirat hat sich nach eigenen Angaben verpflichtet, die zweite Hälfte davon bis zum Jahresende zu halten.
 
Der Kurs der Papiere sackte an der Börse um mehr als 13 Prozent auf 62 Euro ab.
 
Ihren Jahreshöchststand hatten die VW-Vorzüge Anfang Oktober mit 82,90 Euro erreicht. Händlern zufolge werden die Papiere zwischen 60 und 65 Euro je Stück angeboten. Die VW-Stammaktien büßten knapp zwei Prozent ein. Experten vermuten, dass Katar mit dem Schritt die geplante Aufstockung bei den Stammaktien finanzieren will.
    
Katar hat im August von Porsche Optionen auf 50 Prozent aller VW-Vorzugsaktien erworben. Die Scheichs dürften damit also rund 50 Millionen VW-Vorzüge halten. Davon verkaufen sie nun die Hälfte und haben damit genug Geld, um ihren Anteil an den VW-Stammaktien weiter aufzustocken. Volkswagen wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern.
 
VW bleibe trotz des Verkaufs ein Schlüsselinvestment für Katar, teilte der Wüstenstaat mit. Man wolle seinen Anteil an Europas größtem Autobauer weiterhin auf 17 Prozent der Stammaktien erhöhen. Katar hält seit Sommer knapp sieben Prozent dieser Papiere, nachdem das Emirat einen Teil seiner von Porsche übernommenen Optionen ausübte. Die Wolfsburger wollen fast 50 Prozent am Sportwagenbauer erwerben und dafür knapp 4 Mrd. Euro zahlen. Dazu plant das Unternehmen eine Kapitalerhöhung.
Analysten sehen den Zeitpunkt der Transaktion als Indiz, dass Katar bis zum Auslaufen seiner Optionen im Dezember seinen Anteil an den VW-Stämmen erhöhen wird. Damit sei dann der Tausch der Stämme gegen die Vorzüge im Dax wieder ein Thema, erklärten die Experten.
 
Mit dem Verkauf der Vorzüge beschaffe sich das Emirat das Geld zur Aufstockung bei den Stämmen.
 
Die Platzierung sei "eine große Überraschung", sagten Händler. "Offensichtlich nimmt Katar vor der erwarteten Kapitalerhöhung bei den Vorzügen Gewinne mit", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.
Katar ist auch mit zehn Prozent am Stammkapital von Porsche beteiligt. Der Sportwagenbauern hatte sich beim Versuch verhoben, VW ganz unter seinen Kontrolle zu bringen. Um die milliardenschwere Schuldenlast abzubauen, stimmten die Porsche-Eigner Ende Juli nach einem fast vierjährigen Machtkampf mit dem Wolfsburger Konzern der Eingliederung in VW zu.
Volkswagen will sich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember von seinen Aktionären die Genehmigung für die Kapitalschritte zur Porsche-Übernahme einholen. Der Wolfsburger Konzern will bis Ende 2014 bis zu 135 Millionen neue stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben, die nach früheren Angaben rund 10 Mrd. Euro einbringen könnten.
Eine erste Kapitalerhöhung um rund 4 Mrd. Euro ist für das erste Halbjahr 2010 geplant, um den Kauf des Sportwagenbauers zu finanzieren. In einem ersten Schritt will VW bis Ende dieses Jahres knapp unter 50 Prozent an Porsche übernehmen und den Sportwagenbauer bis 2011 als zehnte Marke in den Konzern eingliedern.
 
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