David schluckt Goliath
Die schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg mit gerade mal 45 Beschäftigten will das Traditionsunternehmen Saab mit 3’400 Angestellten retten.
Christian Erland Harald von Koenigsegg
Wie der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) und Koenigsegg mitteilten, übernimmt das Familienunternehmen aus dem südschwedischen Ängelholm Saab für einen nicht genannten Betrag. Das Geschäft mit mehreren Finanziers im Hintergrund soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Der geplante Verkauf stützt sich auf einen Kredit der Europäischen Investitionsbank EIB in Höhe von 600 Millionen Dollar, für den die schwedische Regierung bürgen soll.
Saab ist einer der weltweit kleinsten Anbieter von Autos aus Serienfertigung mit einer Jahresproduktion von 93’000 Wagen (2008). Seit dem Einstieg von GM vor knapp 20 Jahren hat das schwedische Unternehmen nur gerade zwei Mal einen kleinen Gewinn ausweisen können. 2009 erwartet man einen Verlust von drei Milliarden Kronen (415 Mio Franken) erwartet. Bei Koenigsegg wurden im vergangenen Jahr 18 Sportwagen gefertigt, von denen keiner weniger als umgerechnet eine Million Franken kostete.
GM-Europachef Carl-Peter Forster nannte den Käufer «eine fantastische Mischung aus Innovation, Unternehmergeist und Finanzkraft». GM wird Saab unter anderem für eine bestimmte Zeit mit Antriebstechnologien versorgen. Zudem sieht die Vereinbarung vor, dass die nächste Generation des Saab-Modells 9-5 weiterhin am Produktionsstandort Trollhättan vom Band läuft. GM erlässt auch 75 Prozent der Saab-Schulden bei der bisherigen Konzernmutter von insgesamt neun Milliarden Kronen (1,25 Milliarden Franken) verzichtet.
Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson erklärte, vor allem wegen der Standorterhaltung in Schweden sei die Regierung erfreut über den Einstieg von Koenigsegg. Der bisherige Saab-Vorstandschef Jan Åke Jonsson meinte: «Durch diese Einigung bekommen wir die Möglichkeit, das Potenzial unseres Markennamens mit Hilfe neuer, spannender Autos mit ausgeprägt schwedischem Charakter maximal auszuschöpfen.» Positiv äusserte sich auch der Saab-Betriebsratschef Paul Akerlund: «Eine gute Lösung. Finanziell stehen wirklich kräftige Muskel dahinter.»
Endgültige Klarheit über das finanzielle Gerüst hinter der auch für Fachleute sensationellen Übernahme brachte die Mitteilung von GM und Koenigsegg nicht. Neben dem norwegischen Unternehmer und Designer Bård Eker ist auch der US-Finanzier Augie K. Fabela beteiligt. Der Mitgründer des russischen Telekom-Konzerns Vimpelcom übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Christian von Koenigsegg, Mehrheitseigner bei dem nach ihm benannten Unternehmen, soll 42,5 Prozent der Aktien im neuen Saab-Konsortium halten.
In ersten Kommentaren von Branchenbeobachtern hiess es, dass Saab nun möglicherweise verstärkt auf exklusive Modelle und weniger auf möglichst hohe Absatzzahlen setzen wolle. Nach den ersten inoffiziellen Berichten über die Koenigsegg-Übernahme äusserten sich die meisten Kommentatoren betont skeptisch über die Erfolgsaussichten.
Schwedens Regierung reagiert abwartend bis skeptisch auf die Übernahme des Autoherstellers Saab durch den sehr kleinen heimischen Sportwagenbauer Koenigsegg. Wirtschaftsministerin Maud Olofsson sagte am Dienstag in Stockholm, sie wisse «noch nicht, wie stark die Käufer finanziell tatsächlich sind». Es sei aber für die Zukunft von Saab mit derzeit 3’400 Arbeitsplätzen «völlig entscheidend», ob die neuen Eigner über genügend Kapital verfügen.






























































