Höllenritt auf der Seidenstrasse
Im September startet im russischen Kasan die Silk Way Rallye. 150 Autos und Lastwagen kämpfen sich dann 4500 Kilometer durch Kasachstan und die Karakum-Wüste bis nach Turkmenistan. Russland will damit zur Automobil-Macht werden. Das Rennen läuft offiziell als Teil der «Dakar Series».
Die RallyeDakar steckt in der Krise: Anfang 2008 wurde die Dakar nach dem Mord an vier Franzosen in Mauretanien und Terrordrohungen gegen die Rallye abgesagt, in diesem Januar fand das Rennen zum ersten Mal in Argentinien und Chile statt. Der französische Veranstalter der Dakar, die Amaury Sport Organisation (Aso), die unter anderem auch die Tour de France organisiert, ist auf der Suche nach Terrorismus-sicheren Alternativrouten nun auch an der Grenze zwischen Europa und Asien fündig geworden.
Wie das Medienportal spiegel.de schreibt, soll die Rallye im September anstatt durch Mali, Mauretanien und Senegal erstmals durch Russland, Kasachstan und Turkmenistan gehen In Erinnerung an die Seidenstrasse, eine besonders im Mittelalter wichtige Handelsroute, hat man das Rennen «Silk Way Rallye» genannt. In der Karakum-Wüste ist es nach Meinung der Veranstalter mindestens so unwirtlich wie in der Sahara, dafür gibt es hier jedoch keine Terroristen.
Politisch ist der Unterschied allerdings nicht gross. Besonders das an Öl und Gas reiche Turkmenistan galt bis zuletzt als dunkelste Ecke Europas, ausländische Journalisten erhielten prinzipiell keine Einreisegenehmigung. Seit 1992 regierte hier Saparmurat Nijasow († 2006), den man nur noch als Turkmenbaschi (Haupt aller Turkmenen) anreden durfte, der den Monat April nach seiner Mutter umbenannte, Internet-Cafés verbot und Oppositionelle verprügeln liess.
Zwar steht Turkmenistan auch 2008 laut Pressefreiheit-Ranking der Organisation Reporter ohne Grenzen auf dem drittletzten Platz, aber seit Turkmenbaschis Tod 2006 scheint sich das Land am Kaspischen Meer zu öffnen: Der amtierende Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow (52) war der Initiator der Silk Way Rallye, der staatliche Gaskonzern Turkmengaz wird Hauptsponsor. «Die Schwierigkeiten, die es in der Vergangenheit gab, wird es nicht mehr geben. Alle Journalisten, die über die Rallye berichten wollen, bekommen ein Visum», versprach ein Sprecher des turkmenischen Aussenministeriums.
Für russische Automobilsport-Funktionäre war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags mit der Aso von nationaler Bedeutung. Sergej Girja, Geschäftsführer der Rallye, sprach von einem "historischen Ereignis", und Sergej Uschakow, Vorsitzender der russischen Automobil-Föderation, hofft gar, dass die Rallye dazu führen wird, dass die Welt Russland als "Automobil-Macht" anerkennt. Laut einer Stellungnahme der Aso soll die Silk Way Rallye eines der wichtigsten Ereignisse des Autosports werden.Die Fixpunkte der Route sind schon gesetzt: Startpunkt ist das etwa 700 Kilometer östlich von Moskau gelegene Kasan, Hauptstadt der Republik Tatarstan. Von dort geht es 4500 Kilometer Richtung Süden: Noch einigermassen problemlos dürften die Fahrer den russischen Südural durchqueren, schwieriger wird es auf der wüstenartigen Ustjurt-Hochebene in Kasachstan. Den schwersten Teil versprechen die Veranstalter schliesslich auf der letzten Etappe: Dann erwartet die Fahrer die turkmenische Wüste Karakum, deren Sand sich mittags auf bis zu 70 Grad erhitzen kann. Wer diese Hürde genommen hat, wird froh sein, am 13. September die an der Grenze zu Iran liegende turkmenische Hauptstadt Aschgabad zu erreichen.
100 Autos und 50 Lkw sollen nach Hoffnung der russischen Veranstalter am 5. September in Kasan an den Start gehen, Motorräder sind zur Rallye aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Noch bevor genaue Details bekannt wurden, haben schon zwei der erfolgreichsten Dakar-Mannschaften ihre Teilnahme zugesichert: das russische Team Kamaz, dessen Lkw in den vergangenen Jahren die Rallye Dakar dominiert hatten, sowie Volkswagen.
Für die Deutschen gehen drei VW-Touareg an den Start, die bei der letzten Dakar Rallye in Argentinien und Chile den Sieg errungen hatten. Allerdings sieht VW das Rennen nach Aschgabad nur als Vorbereitung auf das 9500 Kilometer lange Dakar-Rennen, das im Januar 2010 wieder in Argentinien und Chile stattfinden soll. «Diese neue Rallye ist praktisch eine kleine Dakar und für uns eine neue Herausforderung», so VW-Motorsportdirektor Kris Nissen (49).






























































