Schweizer Tunnels sollen für 1,2 Milliarden Franken aufgerüstet werden
Die schweizerischen Nationalstrassen-Tunnel gehören weltweit zu den sichersten. Doch die Normen und Richtlinien entwickeln sich laufend weiter. Diesem Umstand trägt das Bundesamt für Strassen (ASTRA) Rechnung. Es hat ein um-fassendes Sanierungsprogramm gestartet. Die Hauptarbeiten werden zwischen 2012 und 2016 durchgeführt. Insgesamt ist mit Kosten von 1,2 Milliarden Fran-ken zu rechnen.
Seit den Brandkatastrophen der Jahre 1999 und 2001 in den Strassentunneln von Mont Blanc, Tauern und Gotthard haben europaweit die Bestrebungen zur Verbesse-rung der Tunnelsicherheit an Bedeutung gewonnen. Bereits der im Jahr 2000 publi-zierte Schlussbericht der schweizerischen Tunnel-Task-Force zeigte zahlreiche Massnahmen zur Verbesserung der Tunnelsicherheit auf. Der Grossteil dieser Mass-nahmen ist inzwischen umgesetzt, und die schweizerischen Nationalstrassentunnels gehören heute weltweit zu den sichersten.
In der Zwischenzeit haben sich jedoch die Normen und Richtlinien, welche die Si-cherheitseinrichtungen in Strassentunnels beschreiben, aufgrund neuer Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt und verschärft; die letzten Än-derungen traten im Jahr 2004 in Kraft.
Eine ASTRA-Untersuchung, die 2008 abgeschlossen wurde, hat nun gezeigt, dass 126 von 220 Tunnels auf dem schweizerischen Nationalstrassennetz nicht oder nur teilweise diesen allerneusten Vorgaben entsprechen. Untersucht wurden Lüftung, Fluchtwege, Signalisation der Sicherheitseinrichtungen und die Energieversorgung.
Im Detail hat der Vergleich mit den neusten Normen folgende Resulate erbracht:
• Bezüglich Tunnellüftung entsprechen 58 Tunnels noch nicht der Norm
• Bezüglich Fluchtwege entsprechen 63 Tunnels noch nicht der Norm
• Bezüglich Signalisation entsprechen 59 Tunnels noch nicht der Norm
• Bezüglich Energieversorgung entsprechen 21 Tunnels noch nicht der Norm
Aufgrund dieses Befunds und im Anschluss an die Übernahme der Nationalstrassen durch den Bund im Rahmen von NFA hat das Bundesamt für Strassen (ASTRA) be-schlossen, ein Programm zur sicherheitstechnischen Nachrüstung der Tunnels auf dem Nationalstrassennetz zu lancieren.
Die Prioritäten des Nachrüstungsprogramms
Die Kosten für die Nachrüstung der 126 Tunnels schätzt das ASTRA auf 1,2 Milliarden Franken. Die Arbeiten sind zum Teil schon im Gang und sollen etwa bis 2020 dauern, wobei die Hauptarbeiten zwischen 2011 und 2016 erfolgen sollen; dannzu-mal ist mit jährlichen Kosten von durchschnittlich 150 Millionen Franken zu rechnen.
Voraussetzung dafür, dass der Fahrplan eingehalten werden kann, sind einerseits baureife Projekte; der Bau eines Fluchtstollens zum Beispiel verlangt ein öffentliches Auflageverfahren. Andererseits müssen die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Diese bewilligt das Bundesparlament mit den jährlichen Krediten für die Spezialfi-nanzierung Strassenverkehr. Schliesslich steht die Tunnelnachrüstung in Konkurrenz zu übrigen Unterhaltsmassnahmen auf dem Nationalstrassennetz.
Bei der Erstellung des Programms hat das ASTRA folgende Prioritäten festgelegt:
2. Tunnellüftung (System von Ventilatoren und Abluftkanälen, welche ein ge-zieltes Komprimieren und Absaugen des Rauchs ermöglichen) 3.
Fluchtwege bei Tunnels mit grossem Verkehrsaufkommen 4. Fluchtwege bei Tunnels mit geringerem VerkehrsaufkommenIn Rechnung gezogen wurde zudem die Differenz zwischen dem aktuellen und dem angestrebten Endzustand des Tunnels: Je stärker der Tunnel von der neusten Norm abweicht, desto weiter oben steht er auf der Prioritätenliste. Und zuletzt spielt für den Sanierungszeitpunkt auch eine Rolle, ob der betreffende Tunnel auf einem National-strassenabschnitt liegt, auf dem ohnehin Unterhaltsmassnahmen geplant sind.
Übungstunnel für Blaulichtdienste in Balsthal (SO) und Lungern (OW)
Mit den Übungsanlagen für Ereignisdienste in Balsthal und Lungern, die im Herbst 2009 eröffnet worden sind, wurde eine weitere Massnahme umgesetzt, welche die Tunnel-Task-Force des ASTRA vorgeschlagen hat. Der Bund beteiligt sich daran mit rund 30 Millionen Franken. Sämtliche beteiligten Ereignisdienste erhalten so die Möglichkeit, ihre Einsätze im Falle eines Tunnelbrandes zu trainieren.






























































