VCS: Fokus Fussgängersicherheit
Reden die Autohersteller von Sicherheit, meinen sie oft immer noch die Sicherheit der Insassen eines Wagens. Dass ein Auto jedoch auch für den Velo- und Fussverkehr sowie für die Insassen anderer Autos mehr oder weniger gefährlich sein kann, geht dabei leider oft unter. Mit seinem am Donnerstag präsentierten Rating «Sicheres Auto» füllt der VCS Verkehrs-Club der Schweiz hier eine wichtige Lücke.
Der VCS sei überzeugt, dass eine umfassende Sicherheit des Autos für viele Lenkerinnen und Lenker von grosser Bedeutung sei, sagte VCS-Zentralpräsidentin Franziska Teuscher am Donnerstag vor den Medien in Bern. Denn nur einigen völlig gewisslosen Rasern sei es gleichgültig, wenn sie in einen Unfall verwickelt würden und andere Menschen verletzten oder gar töteten.
Als erstes Modell hat der Citroen C6 die Bestnote für Fussgängerschutz erhalten. Das Geheimnis heißt "Pop-up-Motorhaube": Wenn der C6 den Zusammenstoß mit einem Fußgänger registriert, wird das Blech blitzschnell angehoben – und schafft dabei lebenswichtigen Platz zwischen Mensch und harten Moto. Ebenfalls gut abgeschnitten haben der Subaru Legacy, der VW Golf, Toyota Prius, Opel Corsa sowie die Honda-Modelle Insight Hybrid, Accord, Civic und Civic Hybrid
Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, hob hervor, wie wichtig es ist, die Konsumentinnen und Konsumenten über derartige Themen zu informieren. «Sobald deutlich wird, was den Mehrwert einer neuen Entwicklung ausmacht, richten Konsumentinnen und Konsumenten nämlich ihre Kaufentscheide danach aus», erklärte sie. Kaufhilfe für Konsumentinnen und Konsumenten Hier setzen das Rating und die Sensibilisierungskampagne «Sicheres Auto» des VCS an, welche vom Fonds für Verkehrssicherheit unterstützt werden: Die 100 meistverkauften Autos der Schweiz wurden punkto Sicherheit analysiert, um den Autofahrenden eine Kaufhilfe zu bieten. Bewertet wurde dabei nicht nur die Sicherheit der Insassen eines Autos, sondern auch, wie gefährlich ein bestimmtes Modell für Velo- und Fussverkehr sowie für die Insassen anderer Autos ist.
Jeder macht mal einen Fehler ...
Darauf kommt es an
In Umfragen sagen fast alle, dass ihnen beim Autokauf die Sicherheit «sehr wichtig» sei. Geht's dann aber um den konkreten Entscheid, fehlen häufig die nötigen Informationen oder lassen sich nur schwer auftreiben. Oder der Verkäufer versichert, dass heute ohnehin jedes neue Auto sicher sei. Aber stimmt das auch?
Das sichere Auto… | Kein Zweifel: Dank stabiler Fahrgastzelle und Airbags ist der Insassenschutz heute bei grossen wie bei kleinen Neu wagen gut bis sehr gut. |
| Weiches Blech kann Leben retten. Das wissen auch die Autohersteller. Trotzdem werden auch heute noch viele Neuwagen so gebaut, dass sie Fussgänger und Velofahrer bei einem Unfall massiv gefährden. Immerhin gibt es auch Vorbilder. Die zeigen klar: Insassenschutz und guter Fussgängerschutz sind überhaupt kein Widerspruch. | |
| | Sicher für mich, sicher für dich. Schön wär’s. Immer noch kommen rücksichtslos gebaute Modelle auf den Markt: Bei einem Crash erhöhen sie die Gefahr für alle anderen – schon bei geringen Tempi. Je mehr sich die Autos punkto Gewicht und Bauweise angleichen, desto eher geht ein Unfall für beide gut aus. |
| | Es braucht wenig, z.B. ein Tier auf der Fahrbahn… und schon ist’s passiert. Wer Schleudermanöver nicht regelmässig übt, wird kaum richtig reagieren. Was sicher richtig reagiert, ist der Schleuderschutz ESC. Darum: kein neues Auto ohne ESC! Je nach Marke steht für ESC auch ESP, DSC, DSTC, MASC, VDC, VSA oder VSC. |
Während nämlich der Insassenschutz bei Neuwagen heute kaum noch ein Problem darstellt, besteht in anderen Bereichen grosser Nachholbedarf, wie Michael Rytz, Projektleiter Verkehrssicherheit beim VCS, sagte. Beim Zusammenprall mit einem Auto hätten Fussgängerinnen und Fussgänger nur dann gute Chancen, einigermassen heil davonzukommen, wenn die Fahrzeugfront rund und nachgiebig gestaltet sei. Ausserdem müsse genügend Knautschzone zwischen Blech und Motorblock vorhanden sein. Viele Autos schneiden diesbezüglich in den Tests von EuroNCAP schlecht ab. Auch die so genannte Kompatibilität verschiedener Autos stellt heute oft noch ein Problem dar. Immer noch kommen rücksichtslos gebaute Modelle auf den Markt: Bei einem Zusammenstoss erhöhen sie schon bei geringen Tempi die Gefahr für alle anderen Verkehrsteilnehmenden.
Eine Konsumenteninformation zum Thema Kompatibilität fehlte bisher. Um diese Lücke zu schliessen, liess der VCS bei der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik und dem Dynamic Test Center (DTC) in Biel/Vauffelin ein Verfahren entwickeln, um dies beurteilen zu können. Dabei wurde auf Ergebnisse der EuroNCAP-Tests zurückgegriffen, wie Raphael Murri, Bereichsleiter passive Sicherheit am DTC, sagte. Verbesserungspotenzial besteht schliesslich auch bei elektronischen Assistenzsystemen. Insbesondere der besonders wirksame Schleuderschutz ESC ist heute noch längst nicht in allen Autos eingebaut.
Das Rating und Detailinformationen im Internet unter www.sicheresauto.ch
Die Branchenvertreter und Hersteller kritisieren teilweise, dass bei gewissen der getesteten Fahrzeuge nicht die aktuellsten Modelle bewertet wurden und das Rating somit höchstens als Richtwert betrachtet werden kann. So sagte der Präsident der Importeurvereinigng Auto-Schweiz, Andreas Burgener gegenüber dem Nachrichtenmagazin 10 vo 10 des Schweizer Fernsehens: "Das Resultat ist heikel, da es nicht breit abgestützt ist. Das ist eine Sichtweise, die der VCS nun angegangen ist. Ich bin auf das Echo, auch aus der Fachwelt, gespannt."


































































